Kostenvoranschlag 2026: Vorlage + Rechte Österreich

unverbindlicher Kostenvoranschlag

Ein Kostenvoranschlag ist in Österreich eine detaillierte Aufstellung der voraussichtlichen Kosten für ein Projekt oder einen Auftrag. Laut ABGB § 1170a ist er gegenüber Verbrauchern grundsätzlich verbindlich — es sei denn, die Unverbindlichkeit wird ausdrücklich vereinbart. Hier erfährst du alles zu deinen Rechten und Pflichten als Unternehmer in Österreich 2026.

Was ist ein Kostenvoranschlag?

Ein Kostenvoranschlag (kurz: KV) ist eine schriftliche Aufstellung aller voraussichtlichen Kosten, die bei der Ausführung eines Auftrags anfallen. Er dient deinem Kunden als Kalkulationsgrundlage und ermöglicht den Preisvergleich mit anderen Anbietern.

Im Unterschied zu einer Angebotsvorlage oder einem Pauschalpreis schlüsselt der Kostenvoranschlag die einzelnen Positionen detailliert auf:

  • Arbeitskosten: Stundensatz, geschätzte Arbeitsstunden und Gesamtkosten der Arbeitszeit
  • Materialkosten: Auflistung der benötigten Materialien mit Einzelpreisen
  • Nebenkosten: Fahrtkosten, Spesen, Lieferkosten
  • Sonstige Kosten: Gerätemieten, Entsorgungskosten, Subunternehmer
  • Umsatzsteuer: Ausweis der USt (in der Regel 20 % laut österreichischem UStG)

Wichtig: Der Kostenvoranschlag ist noch kein Vertrag. Er wird erst rechtsverbindlich, wenn der Auftraggeber ihn annimmt und der Werkvertrag zustande kommt.

Kostenvoranschlag, Angebot oder Pauschalpreis — was ist der Unterschied?

Viele Unternehmer verwechseln diese drei Begriffe. Hier die Abgrenzung:

Merkmal Kostenvoranschlag Angebot Pauschalpreis
Verbindlichkeit Verbindlich oder unverbindlich (je nach Vereinbarung) Immer verbindlich Immer verbindlich
Aufschlüsselung Detailliert nach Positionen Detailliert oder pauschal Keine Aufschlüsselung nötig
Überschreitung Geregelt in § 1170a ABGB Nicht zulässig Nicht zulässig
Typischer Einsatz Handwerk, Bau, IT-Projekte Handel, Dienstleistungen Fixpreisprojekte

Ein Schätzungsanschlag ist noch unverbindlicher als ein KV — er liefert nur eine grobe Kostenorientierung ohne jegliche Garantie.

Wann ist ein Kostenvoranschlag verbindlich?

Die zentrale Rechtsgrundlage ist § 1170a ABGB (Allgemeines Bürgerliches Gesetzbuch Österreich). Die Verbindlichkeit hängt davon ab, wer dein Auftraggeber ist:

Gegenüber Verbrauchern (B2C):

  • Der Kostenvoranschlag ist grundsätzlich verbindlich
  • Er gilt nur dann als unverbindlich, wenn du das ausdrücklich vereinbarst — ein Vermerk auf dem KV reicht grundsätzlich aus
  • Ohne Vermerk gilt der KV als verbindliche Preiszusage (§ 5 Abs. 1 KSchG — Konsumentenschutzgesetz)

Gegenüber Unternehmern (B2B):

  • Der Kostenvoranschlag gilt im Zweifelsfall als unverbindlich
  • Verbindlichkeit muss ausdrücklich vereinbart werden
  • Es gelten die allgemeinen Regeln des ABGB

Verbindlicher vs. unverbindlicher Kostenvoranschlag — der große Vergleich

Kriterium Verbindlicher KV Unverbindlicher KV
Rechtsgrundlage § 1170a Abs. 1 ABGB § 1170a Abs. 2 ABGB
Preisüberschreitung Nicht zulässig (außer bei Änderungswünschen des Kunden) Zulässig, aber mit Anzeigepflicht bei wesentlicher Überschreitung
Default bei Verbrauchern Ja — ohne Gegenteiliges gilt Verbindlichkeit Nur bei ausdrücklicher Vereinbarung
Default bei Unternehmern Nur bei ausdrücklicher Vereinbarung Ja — im Zweifelsfall unverbindlich
Rücktrittsrecht Auftraggeber Nein (Werkvertrag gilt) Ja, bei wesentlicher Überschreitung (sofortiges Rücktrittsrecht)
Vergütung bei Rücktritt Auftraggeber zahlt angemessenen Teil der bisherigen Leistung
Risiko für dich Hoch — du trägst das volle Kostenrisiko Gering — du musst nur rechtzeitig informieren
Empfohlene Kennzeichnung „Dieser Kostenvoranschlag ist verbindlich.“ „Dieser Kostenvoranschlag ist unverbindlich.“
Tipp: Wenn du auf Nummer sicher gehen willst, kennzeichne deinen KV immer klar als verbindlich oder unverbindlich. Bei Verbrauchern bist du laut Konsumentenschutzgesetz (KSchG) besonders in der Pflicht.

Was passiert bei einer Überschreitung des Kostenvoranschlags?

Die Überschreitung ist der heikelste Punkt beim Kostenvoranschlag. § 1170a ABGB unterscheidet klar:

Bei einem verbindlichen KV:

  • Du darfst den vereinbarten Preis nicht überschreiten
  • Unvorhergesehene Mehrkosten gehen zu deinen Lasten
  • Ausnahme: Wenn der Kunde selbst Änderungen verlangt, die Mehrkosten verursachen, kannst du diese zusätzlich verrechnen
  • Dokumentiere Änderungswünsche immer schriftlich

Bei einem unverbindlichen KV:

Hier unterscheidet das Gesetz zwischen unwesentlicher und wesentlicher Überschreitung:

  • Unwesentliche Überschreitung (Richtwert: bis ca. 10-15 %): Du musst die Überschreitung unverzüglich anzeigen, der Kunde muss sie aber hinnehmen und den höheren Preis bezahlen.
  • Wesentliche Überschreitung (Richtwert: ab ca. 15 %): Du musst den Kunden sofort informieren. Der Auftraggeber hat dann ein Rücktrittsrecht — er kann den Vertrag auflösen. In diesem Fall muss er dir nur den angemessenen Teil der bereits erbrachten Leistung vergüten.
Achtung: Informierst du deinen Kunden nicht rechtzeitig über eine wesentliche Überschreitung, verlierst du laut Rechtsprechung deinen Anspruch auf den Mehrbetrag. Die Anzeigepflicht ist also entscheidend.

Mehr Details zur Überschreitung und deinen Pflichten findest du in unserem Artikel Kostenvoranschlag überschritten — was tun?.

Ist ein Kostenvoranschlag kostenpflichtig?

Ob du für die Erstellung eines KV Geld verlangen kannst, hängt vom Empfänger ab:

Gegenüber Verbrauchern:

  • Der Kostenvoranschlag ist nur dann kostenpflichtig, wenn du den Kunden vorher ausdrücklich darauf hingewiesen hast (§ 5 Abs. 2 KSchG)
  • Ohne vorherige Vereinbarung ist er kostenlos
  • In vielen Branchen (z. B. Handwerk, KFZ-Werkstätten) ist es üblich, ein Entgelt für aufwändige KVs zu verlangen

Gegenüber Unternehmern:

  • Wenn die Erstellung mit erheblichem Aufwand verbunden ist, kann ein angemessenes Entgelt verrechnet werden
  • Empfehlung: Vereinbare die Kostenpflicht im Vorhinein schriftlich

Praxis-Tipp: Viele Unternehmer bieten an, die Kosten für den Kostenvoranschlag bei Auftragserteilung gegenzurechnen. Das schafft Vertrauen und senkt die Hemmschwelle für den Kunden.

Wie lange ist ein Kostenvoranschlag gültig?

Es gibt in Österreich keine gesetzliche Regelung zur Gültigkeitsdauer eines Kostenvoranschlags. Daher solltest du die Frist selbst festlegen und auf dem KV vermerken.

Empfohlene Gültigkeitsdauern nach Branche:

Branche Empfohlene Gültigkeitsdauer Grund
Handwerk / Bau 4-8 Wochen Materialpreise schwanken stark
IT / Webentwicklung 2-4 Wochen Projektanforderungen ändern sich schnell
Grafik / Design 2-4 Wochen Kapazitäten variieren
KFZ-Reparatur 2-4 Wochen Ersatzteilpreise können steigen

Tipp: Setze die Gültigkeitsdauer eher kürzer an. So schützt du dich vor Preiserhöhungen bei Material und Zulieferern — und du kannst deine Auftragslage besser planen.

Was muss ein Kostenvoranschlag enthalten?

Ein vollständiger Kostenvoranschlag sollte diese Angaben enthalten:

  1. Deine Firmendaten: Name, Anschrift, UID-Nummer, Kontaktdaten
  2. Kundendaten: Name und Anschrift des Auftraggebers
  3. Datum und KV-Nummer: Für die eindeutige Zuordnung
  4. Beschreibung der Leistung: Möglichst detailliert und verständlich
  5. Einzelpositionen: Arbeitskosten, Materialkosten, Nebenkosten
  6. Gesamtbetrag: Netto + USt (20 %) = Brutto
  7. Verbindlichkeits-Vermerk: „Verbindlich“ oder „Unverbindlich“
  8. Gültigkeitsdauer: Bis wann der KV gilt
  9. Zahlungsbedingungen: Frist und Zahlungsart
  10. Unterschrift: Deine Unterschrift oder digitale Signatur
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Kann der Kunde den Kostenvoranschlag stornieren?

Ob dein Kunde einen bereits angenommenen Kostenvoranschlag stornieren kann, hängt von der Situation ab:

Vor Auftragserteilung:

  • Der KV ist noch kein Vertrag — der Kunde kann jederzeit ablehnen
  • Wurde ein kostenpflichtiger KV vereinbart, muss der Kunde die KV-Kosten trotzdem bezahlen

Nach Auftragserteilung (= Werkvertrag besteht):

  • Der Kunde kann den Werkvertrag grundsätzlich nicht einseitig stornieren
  • Ausnahme: Bei wesentlicher Kostenüberschreitung eines unverbindlichen KV hat der Auftraggeber ein Rücktrittsrecht (§ 1170a Abs. 2 ABGB)
  • Kündigt der Auftraggeber trotzdem, hat der Werkunternehmer Anspruch auf das vereinbarte Entgelt abzüglich der ersparten Aufwendungen (§ 1168 ABGB)

Tipps für einen professionellen Kostenvoranschlag

Mit diesen Praxis-Tipps sicherst du dich ab und überzeugst gleichzeitig deine Kunden:

  1. Immer schriftlich: Auch wenn es keine Formvorschrift gibt — ein schriftlicher KV schützt dich bei Streitigkeiten
  2. Verbindlichkeit klar angeben: Vermeide Missverständnisse, indem du explizit „verbindlich“ oder „unverbindlich“ schreibst
  3. Puffer einplanen: Bei unverbindlichen KVs ist eine Reserve von 10-15 % branchenüblich
  4. Positionen detailliert auflisten: Je transparenter dein KV, desto mehr Vertrauen beim Kunden
  5. Änderungswünsche dokumentieren: Halte jede Änderung schriftlich fest — das schützt dich bei verbindlichen KVs
  6. Gültigkeitsdauer angeben: Schützt dich vor Materialpreiserhöhungen
  7. Professionelles Tool verwenden: Mit einer Buchhaltungssoftware wie everbill sparst du Zeit und vermeidest Fehler

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Häufige Fragen zum Kostenvoranschlag

Ist ein Kostenvoranschlag in Österreich verbindlich?

Gegenüber Verbrauchern ist der Kostenvoranschlag laut § 5 KSchG grundsätzlich verbindlich, sofern nicht ausdrücklich etwas anderes vereinbart wurde. Gegenüber Unternehmern gilt er im Zweifelsfall als unverbindlich (§ 1170a ABGB).

Was ist der Unterschied zwischen Kostenvoranschlag und Angebot?

Ein Angebot ist immer verbindlich und stellt eine rechtsverbindliche Willenserklärung dar. Ein Kostenvoranschlag kann verbindlich oder unverbindlich sein und dient primär als Kostenschätzung. Beim KV sind die Rechtsfolgen bei Überschreitung in § 1170a ABGB geregelt.

Um wie viel Prozent darf ein Kostenvoranschlag überschritten werden?

Bei einem unverbindlichen KV wird eine Überschreitung bis ca. 10-15 % als unwesentlich angesehen und muss vom Auftraggeber akzeptiert werden. Ab ca. 15 % gilt die Überschreitung als wesentlich — der Auftraggeber hat dann ein Rücktrittsrecht. Bei einem verbindlichen KV ist keine Überschreitung zulässig.

Muss ich einen Kostenvoranschlag erstellen?

Eine generelle Pflicht zur Erstellung gibt es nicht. Allerdings besteht eine Mitteilungspflicht: Dein Auftraggeber muss abschätzen können, was der Auftrag kostet. In der Praxis ist ein schriftlicher KV bei größeren Projekten Standard und schützt beide Seiten.

Darf ich für einen Kostenvoranschlag Geld verlangen?

Gegenüber Verbrauchern nur, wenn du vorher ausdrücklich darauf hingewiesen hast (§ 5 Abs. 2 KSchG). Gegenüber Unternehmern kannst du bei erheblichem Aufwand ein angemessenes Entgelt verlangen. In der Praxis wird das KV-Entgelt oft bei Auftragserteilung gegengerechnet.

Wie lange ist ein Kostenvoranschlag gültig?

Es gibt keine gesetzliche Frist. Du legst die Gültigkeitsdauer selbst fest. Üblich sind 2 bis 8 Wochen, je nach Branche. Vermerke die Frist immer auf dem KV, um dich vor Materialpreiserhöhungen zu schützen.

Kann mein Kunde den Kostenvoranschlag stornieren?

Vor Auftragserteilung kann der Kunde den KV jederzeit ablehnen. Nach Auftragserteilung besteht ein Werkvertrag, der nicht einseitig storniert werden kann. Bei wesentlicher Überschreitung eines unverbindlichen KV hat der Auftraggeber allerdings ein gesetzliches Rücktrittsrecht.

Welches Gesetz regelt den Kostenvoranschlag in Österreich?

Die zentrale Rechtsgrundlage ist § 1170a ABGB (Allgemeines Bürgerliches Gesetzbuch). Für Verbrauchergeschäfte gilt zusätzlich § 5 KSchG (Konsumentenschutzgesetz). Die WKO bietet ergänzende Informationen und Muster für Unternehmer.

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Theres Preißler
Theres Preißler
Theres Preißler
Theres hat Anthropologie studiert und ist seit ihrer Kindheit leidenschaftliche Texterin. Während sie als Mädchen Pferdegeschichten schrieb, nutzt sie ihre Kreativität und Know-How heute, um der everbill Community wertvollen Content zu bieten. Egal ob es um Tipps & Tricks bezüglich Finanzen, Gründung oder Recht geht, sie gibt ihr für Unternehmer interessantes Wissen in Form von informativen Beiträgen weiter.

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