Liquidität ist die Fähigkeit deines Unternehmens, fällige Zahlungen jederzeit pünktlich zu leisten — unabhängig davon, wie hoch dein Gewinn auf dem Papier ist. Ein Liquiditätsplan stellt deine erwarteten Einzahlungen und Auszahlungen für die kommenden Monate gegenüber und zeigt dir früh, wann Engpässe drohen. In Österreich gehen laut KSV1870 rund 15 % aller Firmenpleiten auf Finanzierungsschwierigkeiten und Liquiditätsengpässe zurück — dieser Ratgeber zeigt dir, wie du 2026 gegensteuerst.
Liquidität vs. Gewinn: Warum ein guter Jahresüberschuss nicht reicht
Ein häufiges Missverständnis bei EPU und kleinen Unternehmen: „Ich mache Gewinn, also läuft es.“ Gewinn und Liquidität sind aber zwei unterschiedliche Dinge:
| Kennzahl | Was sie zeigt | Typisches Problem |
|---|---|---|
| Gewinn / Jahresüberschuss | Differenz aus Erträgen und Aufwendungen über einen Zeitraum (z. B. ein Jahr) | Rechnung geschrieben ≠ Geld am Konto — offene Forderungen zählen bereits als Ertrag |
| Liquidität | Tatsächlich verfügbare Zahlungsmittel zu einem bestimmten Zeitpunkt | Auch profitable Betriebe können zahlungsunfähig werden, wenn Kund:innen zu spät zahlen |
Genau das passiert regelmäßig in der Praxis: Laut dem KSV1870 Austrian Business Check wird in Österreich jede sechste Rechnung (17 %) verspätet bezahlt — bei Firmenkund:innen dauert es im Schnitt 25 Tage, bis eine Rechnung tatsächlich bezahlt ist. Wer diesen Effekt nicht einplant, gerät trotz guter Auftragslage in Zahlungsschwierigkeiten.
Immer wissen, welches Geld noch aussteht
Im everbill-Dashboard siehst du auf einen Blick, welche Rechnungen offen sind und wie dein Zahlungsstatus aussieht — die Basis für jeden Liquiditätsplan.
Wie erstellst du einen Liquiditätsplan in 4 Schritten?
Ein Liquiditätsplan muss keine komplizierte Finanzsoftware sein. Für ein EPU oder eine kleine GmbH reicht eine rollierende Monatsübersicht:
- Anfangsbestand festlegen: Trage deinen tatsächlichen Kontostand am Monatsbeginn ein (Bankkonto + Kassa).
- Einzahlungen schätzen: Erwartete Kundenzahlungen aus offenen und geplanten Ausgangsrechnungen, plus sonstige Einzahlungen wie Kredite oder Förderungen.
- Auszahlungen planen: Miete, Personal, SVS-Beiträge, Steuervorauszahlungen, Wareneinkauf, Kreditraten und sonstige Betriebsausgaben — realistisch, nicht optimistisch.
- Endbestand berechnen und fortschreiben: Anfangsbestand + Einzahlungen − Auszahlungen = Endbestand. Dieser wird automatisch zum Anfangsbestand des Folgemonats.
Die WKO empfiehlt dafür eine monatliche Liquiditätsplanung mit einer Vorausschau von 12 Monaten, die du laufend mit den tatsächlichen Werten aktualisierst (rollierende Planung) — geplante Zahlen werden also Monat für Monat durch echte Buchungen ersetzt.
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Die Vorlage rechnet automatisch: Trage nur deinen Anfangsbestand sowie die erwarteten Ein- und Auszahlungen ein, Endbestand und Monatssaldo werden per Formel berechnet — inklusive Ampel-Markierung für Monate mit Fehlbetrag.
Was verursacht einen Liquiditätsengpass — und wie erkennst du ihn früh?
Ein Liquiditätsengpass entsteht, wenn Auszahlungen kurzfristig die verfügbaren Zahlungsmittel übersteigen. Die häufigsten Ursachen laut KSV1870-Insolvenzstatistik 2025 (ausgewertet an rund 3.800 eröffneten Firmeninsolvenzen):
| Ursache | Anteil an Insolvenzen |
|---|---|
| Finanzierungsschwierigkeiten, Liquiditätsengpässe, mangelnde Forderungsbetreibung | 15,1 % |
| Absatzschwächen | 12,6 % |
| Schlechte Kostenstruktur | 10,9 % |
| Mangelhaftes Controlling / Planungsschwächen | 8,0 % |
Typische Frühwarnzeichen: Du nutzt regelmäßig den vollen Kontokorrentrahmen aus, zahlst Lieferant:innen zunehmend später, oder deine offenen Kundenforderungen wachsen schneller als dein Umsatz. Ein aktueller Liquiditätsplan zeigt diese Trends, bevor sie zum echten Problem werden.
Liquiditätskennzahlen: Wie misst du deine Zahlungsfähigkeit?
Neben dem laufenden Liquiditätsplan nutzen Banken und Steuerberatung drei betriebswirtschaftliche Kennzahlen, um die Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens zu einem Stichtag zu beurteilen — etwa bei einer Kreditanfrage:
| Kennzahl | Formel | Richtwert |
|---|---|---|
| Liquidität 1. Grades (Cash Ratio) | Liquide Mittel ÷ kurzfristige Verbindlichkeiten | ≥ 20 % |
| Liquidität 2. Grades (Quick Ratio) | (Liquide Mittel + kurzfristige Forderungen) ÷ kurzfristige Verbindlichkeiten | 100–120 % |
| Liquidität 3. Grades (Current Ratio) | Umlaufvermögen ÷ kurzfristige Verbindlichkeiten | 150–200 % |
Für EPU und Kleinunternehmen mit Einnahmen-Ausgaben-Rechnung sind diese Kennzahlen meist zweitrangig — sie werden vor allem bei bilanzierenden Betrieben und im Bankkontext herangezogen. Für den Alltag ist der rollierende Liquiditätsplan aus Schritt 1–4 der praktischere Hebel.
Was tun bei drohendem Liquiditätsengpass?
Zeigt dein Plan einen negativen Monat, hast du mehrere Hebel — die WKO-Liquiditätssicherung nennt dafür vor allem Forderungsmanagement, Zahlungsziele und Lagerbestände:
- Forderungsmanagement verschärfen: Konsequentes Mahnwesen und frühzeitiger Kontakt mit säumigen Kund:innen — je später du reagierst, desto teurer wird das Eintreiben.
- Zahlungsziele beidseitig prüfen: kürzere Zahlungsziele mit Kund:innen vereinbaren, längere mit Lieferant:innen aushandeln.
- Skonto gezielt einsetzen: ein Skonto-Angebot beschleunigt oft den Zahlungseingang mehr, als es kostet.
- Lagerbestände und Einkaufsmengen anpassen: gebundenes Kapital im Lager reduzieren, wenn der Umsatz stockt.
Wichtig: Ein einzelner angespannter Monat ist normal und planbar. Kritisch wird es erst, wenn der Engpass strukturell ist und sich über mehrere Monate nicht mehr aus eigener Kraft schließen lässt.
Was passiert bei tatsächlicher Zahlungsunfähigkeit?
Zahlungsunfähigkeit ist rechtlich klar definiert und keine reine Ermessensfrage. Tritt sie ein, gilt laut § 69 Insolvenzordnung (IO) eine gesetzliche Antragspflicht: Geschäftsführung und Einzelunternehmer:innen müssen ohne schuldhaftes Zögern, spätestens aber 60 Tage nach Eintritt der Zahlungsunfähigkeit, die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beim zuständigen Gericht beantragen. Wird diese Frist versäumt, drohen persönliche Haftungsfolgen für die Geschäftsleitung.
Genau deshalb lohnt sich ein laufender Liquiditätsplan: Er macht eine drohende Zahlungsunfähigkeit sichtbar, während noch Handlungsspielraum besteht — statt sie erst zu bemerken, wenn die 60-Tage-Frist bereits läuft.
Einnahmen und Ausgaben im Blick behalten
Mit everbill erfasst und kategorisierst du deine Einnahmen und Ausgaben laufend — eine solide Datengrundlage für deinen monatlichen Liquiditätsplan, ohne Zettelwirtschaft.
Häufige Fragen zur Liquiditätsplanung
Was ist der Unterschied zwischen Liquidität und Gewinn?
Der Gewinn zeigt die Differenz aus Erträgen und Aufwendungen über einen Zeitraum — auch offene, noch nicht bezahlte Rechnungen zählen bereits als Ertrag. Liquidität zeigt dagegen, wie viel Geld tatsächlich am Konto verfügbar ist. Ein profitables Unternehmen kann trotzdem zahlungsunfähig werden, wenn Kund:innen zu spät zahlen.
Wie oft sollte ich meinen Liquiditätsplan aktualisieren?
Die WKO empfiehlt eine monatliche, rollierende Planung über einen Zeitraum von 12 Monaten: Geplante Werte werden laufend durch tatsächliche Buchungsdaten ersetzt, sodass der Plan immer aktuell bleibt.
Was ist ein Liquiditätsengpass?
Ein Liquiditätsengpass entsteht, wenn fällige Auszahlungen die verfügbaren Zahlungsmittel kurzfristig übersteigen. Laut KSV1870 zählen Finanzierungsschwierigkeiten und Liquiditätsengpässe zu den häufigsten Insolvenzursachen in Österreich (15,1 % im Jahr 2025).
Welche Liquiditätskennzahlen gibt es?
Die drei gängigsten sind Liquidität 1. Grades (Cash Ratio, Richtwert ≥ 20 %), Liquidität 2. Grades (Quick Ratio, Richtwert 100–120 %) und Liquidität 3. Grades (Current Ratio, Richtwert 150–200 %). Diese Kennzahlen werden vor allem von Banken bei bilanzierenden Betrieben herangezogen.
Was tun bei drohender Zahlungsunfähigkeit?
Kurzfristig helfen konsequentes Mahnwesen, angepasste Zahlungsziele, Skonto-Angebote an Kund:innen und verlängerte Zahlungsziele bei Lieferant:innen. Bei tatsächlich eingetretener Zahlungsunfähigkeit gilt laut § 69 IO eine Antragspflicht spätestens 60 Tage nach Eintritt — hier ist rechtzeitige Steuerberatung bzw. Rechtsberatung wichtig.
Reicht eine Excel-Tabelle für die Liquiditätsplanung eines EPU?
Für die meisten EPU und Kleinunternehmen ja — eine rollierende 12-Monats-Übersicht mit Anfangsbestand, erwarteten Ein- und Auszahlungen sowie Endbestand deckt den praktischen Bedarf ab. Mit wachsender Unternehmensgröße lohnt sich zusätzlich ein Blick auf die klassischen Liquiditätskennzahlen.
Wie kann everbill bei der Liquiditätsübersicht helfen?
everbill zeigt dir im Dashboard, welche Rechnungen offen sind und wie dein Zahlungsstatus aussieht, und du erfasst laufend deine Einnahmen und Ausgaben. Diese Übersicht ist die Datengrundlage, die du für deinen Liquiditätsplan brauchst — die eigentliche Planung führst du in der Vorlage oder deinem Finanztool.
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Stand: September 2026. Angaben ohne Gewähr — im Einzelfall Steuerberatung bzw. Rechtsberatung einholen. Quellen: WKO, RIS (§ 69 IO), KSV1870.
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