Ein ERP-System bündelt Aufträge, Einkauf, Lager und Finanzen in einer Software. In Österreich 2026 reicht das Angebot von großen Konzernlösungen wie SAP bis zu schlanken Systemen für Klein- und Mittelbetriebe ab rund 60 Euro im Monat. Entscheidend ist dabei weniger die Größe des Anbieters als die Frage, ob das System österreichisches Recht kennt — Registrierkassenpflicht, Aufbewahrungsfristen und den Export zur Steuerberatung.
Was ist ein ERP-System — und ist SAP dasselbe?
ERP steht für Enterprise Resource Planning, auf Deutsch Unternehmensressourcenplanung. Gemeint ist Software, die die Abläufe eines Betriebs an einer Stelle zusammenführt, statt sie auf Excel-Tabellen, Ordner und E-Mail-Postfächer zu verteilen.
SAP ist nicht dasselbe wie ERP. SAP ist ein Anbieter, ERP ist die Produktkategorie — so wie Tempo ein Anbieter und Papiertaschentuch die Kategorie ist. Dass beide Begriffe oft synonym verwendet werden, liegt an der Größe des Unternehmens, nicht an der Sache.
Ein vollständiges ERP deckt üblicherweise diese Bereiche ab:
- Verkauf: Angebote, Auftragsbestätigungen, Rechnungen, Mahnwesen
- Einkauf: Bestellungen, Lieferanten, Eingangsrechnungen
- Lager: Bestände, Wareneingang, Warenausgang, Inventur
- Finanzen: Belege, Kostenstellen, Übergabe an die Buchhaltung
- Fertigung: Stücklisten, Produktionsplanung — nur bei produzierenden Betrieben
- Personal: Zeiterfassung, Lohnverrechnung, Einsatzplanung
Die letzten beiden Punkte sind der teure Teil. Ein Handelsbetrieb oder eine Agentur braucht sie meist nie — zahlt sie in einem großen System aber trotzdem mit.
Welche ERP-Anbieter gibt es in Österreich?
Es gibt keinen einzelnen Marktführer, der für alle Betriebsgrößen gilt. Sinnvoller ist die Frage, welcher Anbieter für welches Segment gebaut ist:
| Anbieter | Herkunft | Typischer Einsatzbereich |
|---|---|---|
| SAP (S/4HANA, Business One) | Deutschland | Konzerne und größerer Mittelstand, oft mit eigenem Einführungsprojekt |
| Microsoft Dynamics 365 | USA | Mittelstand, meist über einen Implementierungspartner |
| Sage | Großbritannien | Kleine und mittlere Betriebe, modular aufgebaut |
| BMD | Österreich (Steyr) | Buchhaltung und Rechnungswesen, sehr verbreitet in österreichischen Steuerkanzleien |
| RZL | Österreich (Gmunden) | Ebenfalls stark in Steuerkanzleien, Schwerpunkt Rechnungswesen |
| Odoo | Belgien | Open Source, sehr anpassbar — Anpassung braucht aber Entwicklungsaufwand |
| everbill | Österreich (Wien) | EPU, Handel und Dienstleister: Faktura, Warenwirtschaft, Registrierkasse, Projekte |
Dass mit BMD und RZL zwei österreichische Namen in der Liste stehen, ist kein Zufall: Mit diesen Programmen arbeitet ein großer Teil der heimischen Steuerberatungen. Kann dein System nicht dorthin exportieren, tippt am Jahresende jemand deine Belege ab — und stellt dir die Zeit in Rechnung.
Aus Wien, für österreichisches Recht gebaut
everbill deckt Rechnungen, Angebote, Eingangsrechnungen, Bestellungen, Lieferscheine, Projekte und — im Paket Warenwirtschaft — die komplette Lagerverwaltung mit Seriennummern und Inventurliste ab. Fertigungsplanung und Lohnverrechnung sind bewusst nicht dabei. Über 800 österreichische Unternehmen arbeiten damit.
Was muss ein ERP in Österreich können, was ein deutsches nicht kann?
Viele ERP-Systeme kommen aus Deutschland oder den USA. Die Buchhaltungslogik ähnelt sich, die Vorschriften tun es nicht. Diese Punkte solltest du vor der Auswahl abhaken:
| Anforderung | Rechtsgrundlage | Worauf du achten musst |
|---|---|---|
| Registrierkassenpflicht ab 15.000 Euro Jahresumsatz und 7.500 Euro Barumsatz | § 131b BAO | Deutsche Systeme kennen die RKSV nicht. Prüfen, ob eine RKSV-konforme Kasse dabei oder anschließbar ist |
| Kleinunternehmerregelung bis 55.000 Euro brutto Jahresumsatz | § 6 Abs. 1 Z 27 UStG | Der Hinweis muss auf die Rechnung, sonst ist sie formal falsch |
| Umsatzsteuersätze 20 %, 13 %, 10 % | UStG (Österreich) | 13 % gibt es in Deutschland nicht — ein rein deutsches System bildet den Satz oft nicht sauber ab |
| Belege 7 Jahre aufbewahren | § 132 BAO | Export in einem offenen Format muss möglich sein, auch nach einem Anbieterwechsel |
| Übergabe an die Steuerberatung | — | BMD- oder RZL-Export. Ohne ihn wird abgetippt |
Was kostet ein ERP-System in Österreich?
Der Monatspreis auf der Anbieterwebsite ist selten der Gesamtpreis. Rechne mit vier Posten:
- Laufende Gebühr pro Nutzer und Monat
- Einrichtung: Stammdaten, Nummernkreise, Vorlagen, Schnittstellen
- Datenübernahme aus dem Altsystem oder aus Excel
- Schulung für alle, die damit arbeiten
Bei den großen Systemen sind die Posten zwei bis vier regelmäßig ein eigenes Projekt und übersteigen die erste Jahresgebühr deutlich. Bei schlanken Systemen für Klein- und Mittelbetriebe entfallen sie weitgehend, weil es weniger einzurichten gibt.
Bei everbill stehen die Zahlen offen auf der Preisseite: Das Paket Buchhaltung startet bei 25,90 Euro im Monat, das Paket Agentur mit Projekten und Kostenstellen bei 49,90 Euro, das Paket Warenwirtschaft mit Lagerführung bei 59,90 Euro. Bei Abrechnung über zwei Jahre halbiert sich der Monatspreis. Alle Preise netto, ohne Einrichtungsgebühr und ohne Pflichtschulung.
Welches ERP passt zu deinem Betrieb?
Die Auswahl hängt weniger an der Mitarbeiterzahl als an der Frage, was du tatsächlich disponierst. Laut Wirtschaftskammer Österreich gab es 2025 genau 376.112 Ein-Personen-Unternehmen — der größte Teil davon verkauft Dienstleistungen und hat weder Lager noch Fertigung.
| Dein Betrieb | Was du wirklich brauchst |
|---|---|
| Dienstleister, keine Ware | Rechnungen, Angebote, Belege, Export an die Steuerberatung. Ein Rechnungsprogramm genügt |
| Agentur oder Projektgeschäft | Zusätzlich Projekte, Kostenstellen und eine Projektkalkulation |
| Handel, physische Ware | Zusätzlich Lagerführung: Bestände, Mindestbestand, Wareneingang, Inventur |
| Produktion, eigene Fertigung | Stücklisten und Fertigungsplanung — hier führt an einem großen ERP kein Weg vorbei |
| Mehrere Standorte, eigene Lohnverrechnung | Vollsystem mit Personalmodul, üblicherweise mit Einführungsprojekt |
Die Faustregel: Kauf das kleinste System, das deinen Engpass löst. Ein zu großes ERP kostet nicht nur mehr Geld. Es kostet vor allem Zeit — für Einrichtung, Schulung und die Pflege von Modulen, die bei dir leer mitlaufen. Nachrüsten ist fast immer einfacher als Zurückbauen.
Wenn dein System im Browser laufen soll statt auf einem eigenen Server, lies weiter unter Online-ERP: Cloud oder lokal — dort geht es um Datenhoheit, Serverstandort und Ausfallsicherheit.
Häufige Fragen zu ERP in Österreich
Was sind typische ERP-Systeme?
Im österreichischen Markt begegnen dir vor allem SAP und Microsoft Dynamics 365 bei größeren Betrieben, Sage und Odoo im Mittelstand sowie BMD und RZL im Rechnungswesen. Für EPU, Handel und Dienstleister gibt es schlanke Systeme wie everbill, die den kaufmännischen Teil abdecken, ohne Fertigungs- und Personalmodule mitzuschleppen.
Sind SAP und ERP das Gleiche?
Nein. ERP ist die Produktkategorie, SAP ist einer von vielen Anbietern darin. Weil SAP das bekannteste Unternehmen der Branche ist, werden die Begriffe im Alltag oft vermischt.
Welches ERP-System ist in Österreich der Marktführer?
Diese Frage hat keine allgemeingültige Antwort, weil sich der Markt nach Betriebsgröße teilt. Bei Konzernen dominiert SAP, im Rechnungswesen der Steuerkanzleien sind BMD und RZL sehr stark, und bei Klein- und Kleinstbetrieben verteilt sich der Markt auf viele schlanke Anbieter. Sinnvoller als die Frage nach dem Marktführer ist die Frage, wer für deine Betriebsgröße gebaut wurde.
Braucht ein Kleinbetrieb in Österreich überhaupt ein ERP?
Wenn du Dienstleistungen verkaufst und keine Ware lagerst, meistens nicht — dann reichen Rechnungen, Belegerfassung und ein Export für die Steuerberatung. Sobald du Material einkaufst, das du erst später verkaufst, brauchst du eine Lagerführung. Ab da lohnt sich ein System, das Verkauf, Einkauf und Lager zusammenhält.
Kann ich ein deutsches ERP-System in Österreich verwenden?
Technisch spricht nichts dagegen, rechtlich wird es heikel. Deutsche Systeme kennen die Registrierkassensicherheitsverordnung nicht, bilden den österreichischen Steuersatz von 13 % oft nicht ab und exportieren selten nach BMD oder RZL. Diese drei Punkte solltest du klären, bevor du unterschreibst.
Ist everbill ein ERP-System?
Zu einem großen Teil ja — und der Rest ist bewusst weggelassen. Abgedeckt sind Rechnungen, Angebote, Eingangsrechnungen, Belege, Kunden- und Artikelverwaltung, Bestellungen, Lieferscheine, Projekte und Kostenstellen sowie Exportschnittstellen zu BMD und RZL. Im Paket Warenwirtschaft kommen Lagerverwaltung, Seriennummern, Wareneingang, Warenausgang und eine Inventurliste dazu. Nicht enthalten sind Fertigungsplanung, Stücklisten und Lohnverrechnung.
Wie lange dauert die Einführung eines ERP-Systems?
Zwischen den Größenklassen liegen Welten. Ein Konzernsystem einzuführen ist ein eigenes Projekt über Monate, mit Beratung, Testbetrieb und Schulung. Bei einem schlanken System für Klein- und Mittelbetriebe geht es um Stammdaten, Nummernkreise und Rechnungsvorlagen — also um Stunden bis wenige Tage.
Was passiert mit meinen Daten, wenn ich den Anbieter wechsle?
Das regelt dein Vertrag. Achte darauf, dass du Belege und Listen in offenen Formaten zurückbekommst, etwa PDF und CSV. Wichtig ist das nicht nur beim Wechsel: Nach § 132 BAO musst du deine Aufzeichnungen sieben Jahre aufbewahren und im Prüfungsfall vorlegen können.
Weiterführende Artikel
- Online-ERP 2026: Cloud oder lokal, und was das für deine Daten heißt
- Lagerverwaltung: Bestände, Seriennummern und Inventur
- Registrierkassen-Software und die RKSV-Pflicht
- Vorbereitende Buchhaltung: was die Steuerberatung wirklich braucht
- Buchhaltungssoftware für österreichische Klein- und Mittelbetriebe
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