Gewerbeschein Nebenjob Österreich 2026: 0 € Anmeldung + Checkliste

Gewerbeschein Nebenjob: Wann benötigen Sie einen Gewerbeschein? — everbill

Du willst neben deinem Hauptjob nebenberuflich selbständig werden und fragst dich, ob du dafür einen Gewerbeschein brauchst? In Österreich ist die Antwort: Ja, wenn deine Tätigkeit unter die Gewerbeordnung fällt — und das betrifft die meisten gewerblichen Tätigkeiten. Gute Nachricht: Die Gewerbeanmeldung kostet seit der NeuFöG-Novelle 0 € und ist online in wenigen Minuten erledigt. Hier erfährst du alles zu Kosten, SVS-Pflicht und den häufigsten Fallstricken 2026.

Wann brauchst du einen Gewerbeschein im Nebenjob?

Ob du einen Gewerbeschein brauchst, hängt davon ab, welche Tätigkeit du ausübst — nicht davon, ob du sie haupt- oder nebenberuflich machst. Die Gewerbeordnung (§ 1 GewO) gilt für alle gewerblichen Tätigkeiten gleichermaßen.

Tätigkeit Gewerbeschein nötig? Rechtsgrundlage
Freie Gewerbe (IT, Marketing, Handel, Handwerk) Ja — freie Gewerbeanmeldung § 5 GewO
Reglementierte Gewerbe (Elektrik, Bau, Gastro) Ja — Befähigungsnachweis nötig § 94 GewO
Freie Berufe / Neue Selbständige (Vortragende, Künstler, Berater, Journalisten, Programmierer mit schöpferischer Tätigkeit) Nein — Meldung direkt bei SVS § 2 Abs 1 Z 4 GSVG
Land- und Forstwirtschaft Nein — eigene Regelung Land- und Forstwirtschaftsgesetz
Gesundheitsberufe (Ärzte, Therapeuten) Nein — berufsrechtliche Regelung Ärztegesetz, MTD-Gesetz

Wichtig: Auch als „Neue Selbständige“ (z. B. freiberufliche Programmierer oder Coaches) brauchst du keinen Gewerbeschein — du meldest dich aber direkt bei der SVS. Das vergessen viele und bekommen dann SVS-Nachzahlungen.

Was kostet die Gewerbeanmeldung 2026?

Die Gewerbeanmeldung selbst ist seit der NeuFöG-Novelle kostenlos — es fällt keine Bundesverwaltungsabgabe mehr an (WKO Gründerservice). Die Anmeldung erfolgt online über das Unternehmensserviceportal (USP) oder die GISA-Datenbank.

Kostenpunkt Betrag 2026 Anmerkung
Gewerbeanmeldung (Bundesgebühr) 0 € Seit NeuFöG-Novelle kostenlos
WKO-Grundumlage ca. 85–150 €/Jahr Je nach Fachgruppe/Sparte
SVS-Unfallversicherung 12,95 €/Monat Immer pflichtig ab Gewerbeschein
SVS-Mindestbeitrag (KV + PV) ab ca. 160,80 €/Monat Erst ab Versicherungsgrenze

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Ab wann bist du bei der SVS pflichtversichert?

Als nebenberuflich Gewerbetreibender bist du automatisch bei der SVS (Sozialversicherung der Selbständigen) gemeldet. Die Unfallversicherung (12,95 €/Monat) ist ab dem ersten Tag pflichtig — unabhängig vom Gewinn.

Die volle Pflichtversicherung (Kranken- + Pensionsversicherung) greift erst ab der Versicherungsgrenze von 6.613,20 € Jahresgewinn (2026). Darunter zahlst du nur die Unfallversicherung.

Versicherung Ab wann pflichtig? Beitrag 2026
Unfallversicherung (AUVA) Ab Gewerbeschein / SVS-Meldung 12,95 €/Monat
Krankenversicherung Ab 6.613,20 € Jahresgewinn 6,80 % der Beitragsgrundlage
Pensionsversicherung Ab 6.613,20 € Jahresgewinn 18,50 % der Beitragsgrundlage
Mindestbeitrag (gesamt) Ab Pflichtversicherung ca. 160,80 €/Monat

Achtung Doppelversicherung: Bist du über deinen Hauptjob bereits ASVG-versichert, bist du über den Nebenjob zusätzlich GSVG-versichert. Das kann zu Rückerstattungsansprüchen führen — aktiv bei der SVS stellen!

Kleinunternehmerregelung: Keine Umsatzsteuer bis 55.000 €

Seit 1. Jänner 2025 gilt die neue Kleinunternehmergrenze von 55.000 € brutto pro Jahr (vorher: 35.000 € netto). Solange dein Gesamtumsatz (Hauptjob-Selbständigkeit + Nebenjob zusammen!) unter dieser Grenze bleibt, bist du umsatzsteuerbefreit nach § 6 Abs 1 Z 27 UStG.

Das bedeutet: Du schreibst Rechnungen ohne Umsatzsteuer und fügst den Hinweis „Umsatzsteuerbefreit gemäß § 6 Abs 1 Z 27 UStG“ ein. Im Gegenzug hast du keinen Vorsteuerabzug.

Toleranzregel: Überschreitest du die Grenze einmalig um bis zu 10 %, bleibt die Befreiung bis Jahresende bestehen.

Wann musst du Einkommensteuer zahlen?

Für Nebeneinkünfte neben einem lohnsteuerpflichtigen Hauptjob gilt in Österreich ein Veranlagungsfreibetrag von 730 € (§ 41 EStG). Das heißt:

Nebeneinkünfte (Gewinn) Einkommensteuer? Erklärungspflicht?
Unter 730 €/Jahr Nein Nein
730 – 1.460 €/Jahr Anteilig (Einschleifregelung) Ja, wenn Gesamteinkommen > 14.769 €
Über 1.460 €/Jahr Ja, voller Betrag steuerpflichtig Ja

Praxis-Tipp: Auch unter 730 € Gewinn empfiehlt sich eine freiwillige Steuererklärung — du kannst ggf. vom Gewinnfreibetrag (15 % auf die ersten 33.000 € Gewinn, 2026) profitieren.

Musst du deinen Arbeitgeber informieren?

Es gibt in Österreich keine generelle gesetzliche Pflicht, den Arbeitgeber über einen Nebenjob zu informieren. Aber: Viele Arbeitsverträge und Kollektivverträge enthalten Nebenbeschäftigungsklauseln oder Konkurrenzverbote.

  • Prüfe deinen Arbeitsvertrag auf Nebenjob-Genehmigungspflichten
  • Konkurrenzklausel: Tätigkeiten im gleichen Geschäftsfeld sind oft verboten
  • Ein Verstoß kann als Entlassungsgrund gewertet werden
  • Im Zweifel: schriftliche Genehmigung des Arbeitgebers einholen

Schritt für Schritt: Gewerbeschein im Nebenjob anmelden

  1. Arbeitsvertrag prüfen: Nebenbeschäftigungsklausel, Konkurrenzverbot
  2. Tätigkeit klassifizieren: Freies Gewerbe, reglementiertes Gewerbe oder Neue Selbständige?
  3. Gewerbeanmeldung online: Über USP oder GISA (kostenlos, sofort wirksam)
  4. SVS-Meldung: Erfolgt automatisch bei Gewerbeanmeldung — bei Neuen Selbständigen direkt bei der SVS melden
  5. FinanzOnline: Steuernummer beantragen, Umsatzsteuer-Option wählen (Kleinunternehmerregelung?)
  6. Rechnungssoftware einrichten: Pflichtangaben nach § 11 UStG (Name, Adresse, UID, Leistung, Betrag, Steuersatz)
  7. Einnahmen-Ausgaben-Rechnung: Ab Tag 1 alle Belege sammeln und dokumentieren

Die 7 häufigsten Fehler beim Gewerbeschein im Nebenjob

  1. SVS-Meldung vergessen: Neue Selbständige denken, ohne Gewerbeschein brauchen sie keine SVS-Anmeldung — falsch! Nachzahlungen drohen.
  2. Kleinunternehmergrenze falsch berechnet: Die 55.000 € gelten für den Gesamtumsatz aller selbständigen Tätigkeiten — nicht nur des Nebenjobs.
  3. Keine Belege: Wer keine Einnahmen-Ausgaben-Rechnung führt, kann bei der Betriebsprüfung nichts nachweisen.
  4. Arbeitsvertrag nicht geprüft: Kündigung wegen Verstoß gegen Konkurrenzklausel.
  5. SVS-Nachzahlung unterschätzt: Die SVS berechnet erst vorläufig auf Basis der Mindestbeitragsgrundlage — nach dem Steuerbescheid kommt die Nachberechnung auf Basis des tatsächlichen Gewinns.
  6. Geringfügigkeitsgrenze verwechselt: Die 551,10 €/Monat (2026) gilt nur für unselbständige Beschäftigung, nicht für Gewerbeeinkünfte.
  7. Rechnungen ohne Pflichtangaben: Jede Rechnung braucht mindestens 11 Pflichtangaben nach § 11 UStG — sonst riskierst du den Vorsteuerabzug deines Kunden.

Geringfügigkeitsgrenze vs. Gewerbeschein: Was ist der Unterschied?

Die Geringfügigkeitsgrenze von 551,10 € pro Monat (2026) betrifft nur unselbständige Beschäftigung (Dienstnehmer nach ASVG). Für deinen Nebenjob mit Gewerbeschein gelten andere Grenzen:

Grenze Betrag 2026 Gilt für
Geringfügigkeitsgrenze 551,10 €/Monat Unselbständige Dienstnehmer (ASVG)
SVS-Versicherungsgrenze 6.613,20 €/Jahr Selbständige (GSVG) — Gewerbeschein oder Neue Selbständige
Kleinunternehmergrenze 55.000 € brutto/Jahr Alle Unternehmer — USt-Befreiung
Einkommensteuer-Freibetrag 730 €/Jahr Nebeneinkünfte neben Hauptjob

Häufige Fragen zum Gewerbeschein im Nebenjob

Brauche ich als Programmierer im Nebenjob einen Gewerbeschein?

Das kommt auf die Art der Tätigkeit an. Wenn du überwiegend schöpferisch-kreativ arbeitest (eigene Software entwickelst, Beratung), kannst du als „Neuer Selbständiger“ ohne Gewerbeschein arbeiten. Bei reiner Auftragsarbeit (Webshop-Erstellung nach Vorgabe, IT-Support) ist ein freies Gewerbe (z. B. „Dienstleistungen in der automatischen Datenverarbeitung und Informationstechnik“) nötig.

Was passiert, wenn ich die Kleinunternehmergrenze überschreite?

Bei einer einmaligen Überschreitung um bis zu 10 % (also bis 60.500 € brutto) bleibt die Befreiung bis Jahresende bestehen. Ab dem Folgejahr bist du umsatzsteuerpflichtig — das heißt, du musst 20 % USt auf deinen Rechnungen ausweisen und monatlich oder vierteljährlich eine UVA abgeben.

Kann ich den Gewerbeschein im Nebenjob jederzeit zurücklegen?

Ja. Die Gewerberücklegung ist jederzeit möglich — online über GISA oder beim Magistrat/Bezirkshauptmannschaft. Die SVS-Pflicht endet mit dem letzten Tag der Gewerbeberechtigung. Offene Rechnungen und steuerliche Pflichten (Einkommensteuererklärung) bleiben bestehen.

Muss ich als Neue Selbständige eine Steuernummer beantragen?

Ja. Auch ohne Gewerbeschein brauchst du eine Steuernummer vom Finanzamt. Die Anmeldung erfolgt über FinanzOnline mit dem Formular Verf 24. Du bekommst dann auch deine UID-Nummer, falls du dich gegen die Kleinunternehmerregelung entscheidest.

Was kostet die SVS im ersten Jahr als Nebenberufler?

Im ersten Jahr zahlst du als Neugründer reduzierte Mindestbeiträge: ca. 160,80 €/Monat (KV + PV), sofern du über der Versicherungsgrenze von 6.613,20 €/Jahr liegst. Darunter zahlst du nur die Unfallversicherung (12,95 €/Monat). Nach dem ersten Steuerbescheid erfolgt eine Nachberechnung auf Basis deines tatsächlichen Gewinns.

Darf ich neben einem AMS-Bezug einen Gewerbeschein anmelden?

Grundsätzlich ja — allerdings gelten strenge Zuverdienstgrenzen. Seit 2026 wurde die Geringfügigkeitsgrenze für den Zuverdienst zum Arbeitslosengeld weitgehend eingeschränkt. Sprich vorher unbedingt mit deinem AMS-Betreuer, um den Leistungsanspruch nicht zu gefährden.

Wie viele Stunden darf ich nebenberuflich selbständig arbeiten?

Es gibt keine gesetzliche Stundenbeschränkung für die nebenberufliche Selbständigkeit. Allerdings gelten die Arbeitszeit-Höchstgrenzen des AZG (48 Stunden/Woche Durchschnitt, 60 Stunden/Woche Maximum) für deinen Hauptjob weiter — die selbständige Tätigkeit wird dort nicht eingerechnet, kann aber bei Burnout oder Leistungsabfall zum Problem mit dem Arbeitgeber werden.

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Michael Kunz
Michael Kunz
Michael Kunz
Michael Kunz ist Gründer und Geschäftsführer von everbill, der Rechnungssoftware für österreichische Kleinunternehmer und KMU. Seit über einem Vierteljahrhundert beschäftigt er sich mit Rechnungslegung, Buchhaltung und Digitalisierung für Selbständige in Österreich. Im everbill Magazin teilt er praxisnahes Wissen zu Pflichtangaben, Umsatzsteuer und E/A-Rechnung — verständlich aufbereitet für Unternehmer, die sich aufs Kerngeschäft konzentrieren wollen.

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