Liquiditätsplanung bedeutet, alle künftigen Ein- und Auszahlungen deines Unternehmens gegenüberzustellen, damit du jederzeit zahlungsfähig bleibst. Du planst dazu Monat für Monat: Anfangsbestand plus erwartete Einzahlungen minus Auszahlungen ergibt den Endbestand. Für österreichische EPU und KMU ist das überlebenswichtig — denn die häufigste Insolvenzursache ist nicht fehlender Gewinn, sondern fehlende Liquidität zum falschen Zeitpunkt.
Deine Zahlen sind die Basis jeder Liquiditätsplanung
everbill zeigt dir offene Rechnungen, Zahlungsstatus und deine Einnahmen und Ausgaben auf einen Blick — die verlässliche Grundlage, auf der du deinen Liquiditätsplan aufbaust.
Was ist Liquiditätsplanung und warum ist sie so wichtig?
Liquidität ist die Fähigkeit, deine Rechnungen fristgerecht bezahlen zu können. Die Liquiditätsplanung ist das Werkzeug, mit dem du sicherstellst, dass am Fälligkeitstag genug Geld auf dem Konto ist. Diese Planung unterscheidet sich klar von der Gewinnermittlung: Ein Auftrag kann hochprofitabel sein — wenn der Kunde aber erst in 90 Tagen zahlt, du deine Lieferanten aber in 14 Tagen begleichen musst, entsteht trotzdem ein Engpass.
Genau diese zeitliche Lücke zwischen Ein- und Auszahlungen macht die Planung so wichtig. Wer sie vernachlässigt, gerät auch mit vollen Auftragsbüchern in Zahlungsschwierigkeiten. Eine saubere Liquiditätsplanung verschafft dir drei Dinge: Frühwarnung vor Engpässen, Sicherheit bei Investitionsentscheidungen und eine starke Position in Gesprächen mit deiner Bank.
Wie baust du einen Liquiditätsplan auf?
Ein Liquiditätsplan ist im Kern eine einfache Rechnung, die du für jeden Monat fortschreibst. Das Grundschema:
| Position | Beispiel |
| Anfangsbestand (Bank + Kassa) | 8.000 € |
| + Einzahlungen (Kundenzahlungen, Einlagen, Kredite) | + 12.000 € |
| − Auszahlungen (Miete, Löhne, Waren, Steuern, SVS) | − 14.500 € |
| = Endbestand (wird Anfangsbestand des Folgemonats) | 5.500 € |
Der Endbestand eines Monats ist automatisch der Anfangsbestand des nächsten. So entsteht eine durchgehende Vorschau. Drei Regeln machen deinen Plan belastbar:
- Rollierend planen. Ein Liquiditätsplan ist kein einmaliges Dokument, sondern wird laufend fortgeschrieben. Übliche Praxis für EPU und KMU: monatlich über die nächsten zwölf Monate.
- Realistisch statt optimistisch. Setze Einzahlungen zum wahrscheinlichen Zahlungseingang an, nicht zum Rechnungsdatum. Rechne bei Kunden mit Zahlungsverzug.
- Nichts vergessen. Gerade unregelmäßige Auszahlungen wie Umsatzsteuer-Zahllast, SVS-Beiträge oder die Einkommensteuer-Vorauszahlung reißen sonst überraschend Löcher.
Ein kurzes Beispiel: Du startest den Monat mit 8.000 € auf dem Konto. Aus fertigen Aufträgen erwartest du 12.000 € — allerdings zahlt ein Großkunde (6.000 €) erfahrungsgemäß erst 30 Tage später. Realistisch fließen also nur 6.000 € ein. Dem stehen 14.500 € Auszahlungen gegenüber (Waren, Miete, eine SVS-Vorschreibung). Rechnest du mit dem Rechnungsdatum, sieht alles gut aus. Rechnest du mit dem tatsächlichen Zahlungseingang, rutschst du im Monat auf minus 500 € — ein Engpass, den du jetzt früh genug erkennst und etwa mit einer strafferen Mahnung oder einem Kontokorrentrahmen abfederst.
Die wichtigsten Liquiditätskennzahlen
Mit ein paar Kennzahlen misst du, wie gut dein Unternehmen kurzfristig zahlungsfähig ist. Die drei Liquiditätsgrade setzen dein verfügbares Vermögen ins Verhältnis zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten:
| Kennzahl | Formel | Richtwert |
| Liquidität 1. Grades (Cash Ratio) | liquide Mittel ÷ kurzfristige Verbindlichkeiten × 100 | 10–30 % |
| Liquidität 2. Grades (Quick Ratio) | (liquide Mittel + Forderungen) ÷ kurzfristige Verbindlichkeiten × 100 | ≥ 100 % |
| Liquidität 3. Grades (Current Ratio) | (liquide Mittel + Forderungen + Vorräte) ÷ kurzfristige Verbindlichkeiten × 100 | 120–200 % |
Als Faustregel gilt: Die Liquidität 2. Grades sollte bei mindestens 100 % liegen — dann kannst du deine kurzfristigen Schulden allein aus flüssigen Mitteln und offenen Forderungen decken. Eine weitere nützliche Kennzahl ist das Working Capital (Umlaufvermögen minus kurzfristige Verbindlichkeiten): Ist es positiv, hast du einen Puffer. Wird es negativ, ist das ein deutliches Warnsignal.
Liquiditätsengpässe vermeiden: 5 Hebel für österreichische Unternehmer
Die beste Planung nützt wenig, wenn du nicht aktiv gegensteuerst. Diese fünf Hebel wirken am schnellsten:
1. Kurze Zahlungsziele und Skonto
Je früher deine Kunden zahlen, desto stabiler deine Liquidität. Setze eher kurze Zahlungsziele (Faustregel: unter 20 Tage) und stelle Rechnungen sofort nach Leistungserbringung. Ein Skonto von 2–3 % ist ein wirksamer Anreiz für schnelle Zahlung.
2. Konsequentes Mahnwesen
Offene Forderungen sind gebundenes Geld. In Österreich läuft das Mahnwesen typischerweise dreistufig: Zahlungserinnerung, erste Mahnung, zweite Mahnung mit Klageandrohung. Bei Geschäftskunden darfst du gesetzliche Verzugszinsen verlangen — bei B2B-Geschäften der Basiszinssatz plus 9,2 Prozentpunkte (Stand 1. Halbjahr 2026 rund 10,7 % p.a.), bei Verbrauchern 4 % p.a. Zusätzlich kannst du im B2B-Bereich eine Pauschale von bis zu 40 € für Betreibungskosten ansetzen.
3. Rücklagen aufbauen
Eine Liquiditätsreserve fängt Schwankungen ab. Als Faustregel gelten drei bis sechs Monatsfixkosten — bei stark schwankenden Einnahmen eher mehr. Bewährt hat sich das Drei-Konten-Modell: ein Geschäftskonto, ein separates Konto für Steuer und SVS und ein Reservekonto. Leg rund 30–35 % deines Gewinns für Steuer und Sozialversicherung zurück, dann überrascht dich keine Nachzahlung.
4. Die Steuer- und SVS-Falle einplanen
Viele Selbstständige unterschätzen die SVS-Nachbemessung: Die vorläufigen Beiträge werden erst später endgültig festgesetzt, oft mit einer saftigen Nachzahlung im dritten oder vierten Jahr. Wer diese Beträge nicht von Anfang an zurücklegt, reißt sich selbst ein Liquiditätsloch. Plane SVS-Beiträge und Umsatzsteuer-Zahllast fix in deinen Liquiditätsplan ein.
5. Lieferantenseite optimieren
Verhandle bei deinen Lieferanten längere Zahlungsziele und reduziere unnötig hohe Lagerbestände. Beides verschafft dir mehr Spielraum, ohne dass du am Umsatz etwas ändern musst.
Offene Rechnungen immer im Blick
Mit everbill siehst du im Dashboard, welche Rechnungen offen sind und wer im Verzug ist — und mahnst mit wenigen Klicks. So bleibt weniger Geld unnötig gebunden.
Wie everbill deine Liquiditätsplanung unterstützt
Ehrlich gesagt: everbill erstellt dir keinen fertigen Liquiditätsplan und keine automatische Cashflow-Prognose — die Planung selbst bleibt deine Aufgabe (oder die deines Steuerberaters). Was everbill liefert, ist die verlässliche Datengrundlage dafür:
- Offene-Posten-Übersicht: Das Dashboard zeigt dir jederzeit, welche Rechnungen noch offen sind und welche Kunden im Zahlungsverzug stehen.
- Einnahmen und Ausgaben: Alle erfassten Belege und Rechnungen ergeben eine saubere Auswertung, aus der du realistische Werte für deinen Liquiditätsplan ziehst.
- Mahnwesen: Zahlungserinnerungen und Mahnungen erstellst du mit wenigen Klicks — das holt gebundenes Geld schneller herein.
Die Zahlen aus everbill überträgst du in deinen Liquiditätsplan (etwa eine Einnahmen-Ausgaben-Übersicht oder eine Excel-Vorlage der WKO) — statt sie mühsam aus Kontoauszügen zusammenzusuchen.
Häufige Fragen zur Liquiditätsplanung
Was gehört in einen Liquiditätsplan?
Der Anfangsbestand (Bank und Kassa), alle erwarteten Einzahlungen (Kundenzahlungen, Einlagen, Kredite) und alle Auszahlungen (Miete, Löhne, Waren, Steuern, SVS). Aus Anfangsbestand plus Einzahlungen minus Auszahlungen ergibt sich der Endbestand, der zum Anfangsbestand des Folgemonats wird.
Für welchen Zeitraum plane ich die Liquidität?
Für EPU und KMU hat sich eine monatliche Planung über die nächsten zwölf Monate bewährt. Wichtig ist, den Plan rollierend fortzuschreiben — also laufend zu aktualisieren, sobald neue Zahlen vorliegen. Bei akuten Engpässen hilft zusätzlich eine wöchentliche Planung über 13 Wochen.
Was ist der Unterschied zwischen Liquidität und Gewinn?
Gewinn misst, ob dein Unternehmen wirtschaftlich erfolgreich ist. Liquidität misst, ob am Fälligkeitstag genug Geld auf dem Konto ist. Ein profitables Unternehmen kann trotzdem zahlungsunfähig werden, wenn Kunden zu spät zahlen. Genau diese Lücke schließt die Liquiditätsplanung.
Wie berechne ich meine Liquiditätsgrade?
Die Liquidität 1. Grades sind die liquiden Mittel geteilt durch die kurzfristigen Verbindlichkeiten (mal 100). Beim 2. Grad kommen die offenen Forderungen dazu, beim 3. Grad zusätzlich die Vorräte. Der 2. Grad sollte bei mindestens 100 % liegen, damit du deine kurzfristigen Schulden decken kannst.
Wie hilft mir eine Rechnungssoftware bei der Liquiditätsplanung?
Eine Rechnungssoftware wie everbill erstellt zwar keinen fertigen Liquiditätsplan, liefert aber die Datengrundlage: offene Rechnungen, Zahlungsstatus und eine Einnahmen-Ausgaben-Übersicht. Mit dem integrierten Mahnwesen holst du überfällige Zahlungen zudem schneller herein.
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Stand: Juli 2026. Verzugszinssätze halbjährlich veränderlich (Basiszinssatz + 9,2 Prozentpunkte im B2B). Quellen: WKO, OeNB.
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