Die Geschäftsidee – Existenzgründung Teil 1

Existenzgründung Teil 1 - Die Geschäftsidee

Du möchtest gründen? Das everbill Magazin begleitet dich dabei und geht mit dir im Rahmen der vierteiligen Infoserie für Existenzgründer Schritt für Schritt die Gründung deines eigenen Unternehmens durch. Der erste Teil beschäftigt sich mit der Geschäftsidee: Welche Arten von Geschäftsideen es gibt, wie du zu deiner eigenen Geschäftsidee kommst, wo du dir Inspiration holen kannst, wie du aus der Idee ein Geschäftsmodell entwickelst, u v. m.

Die Geschäftsidee – was ist das überhaupt?

Die Geschäftsidee ist quasi das Konzept, auf dem dein Unternehmen basiert. Die ausführliche Formulierung einer Geschäftsidee und die Auseinandersetzung damit bilden die ersten Schritte auf dem Weg zur Selbständigkeit.

3 Arten von Geschäftsideen

1. Bewährte Geschäftsideen

Du musst nicht unbedingt etwas Neues erfinden, wenn du gründen möchtest. Wenn du keine eigene Geschäftsidee hast, können auch alte Geschäftsideen, die sich bereits mehrfach bewährt haben, gute Optionen darstellen. Zwei beliebte Möglichkeiten in diesem Bereich sind Franchise und die Übernahme eines bereits bestehenden Unternehmens. Für mehr Informationen über die Selbständigkeit mit Franchise lies dir diesen Beitrag durch.

2. Verbesserte Ideen

Vielleicht kannst du ja durch eine Produktmodifikation ein bestehendes Problem besser lösen als es bisher gelöst wurde. Wenn dein Angebot günstiger, schneller, simpler, nachhaltiger, etc. ist als das der Wettbewerber, stehen deine Chancen gut, Erfolg zu haben. Wichtig ist hier nur, dass die Verbesserung für die Kunden sofort bemerkbar ist.

3. Neue Ideen

Die dritte Möglichkeit ist eine Innovation, die ein bisher ungelöstes Problem in Angriff nimmt.

Folgende Tabelle gibt dir einen kurzen Überblick über die Vor- und Nachteile unterschiedlicher Geschäftsideen:

VorteileNachteile
Bewährte IdeenRisiko geringerGefahr, dass Markt übersättigt ist –> viel Wettbewerb
Konzept steht bereits, muss nur noch umgesetzt werden Weniger Freiheiten (besonders bei Franchise)
Verbesserte Ideen Du musst das Rad nicht völlig neu erfinden, steuerst aber trotzdem deinen eigenen Beitrag hinzuUnsicher, ob Kunden die Notwendigkeit einer Verbesserung sehen oder lieben bei ihren gewohnten Produkten bleiben
Neue Ideen Höchstes Absatzpotenzial, da es keinen Wettbewerb gibt Größte Risiken, da unklar ist, ob die Umsetzung überhaupt funktioniert und sich eine Zielgruppe findet

Wie komme ich zu einer guten Geschäftsidee?

Wenn du dir Gedanken zu deiner Geschäftsidee machst, solltest du vor allem folgende zwei Bereiche in Betracht ziehen:

1. Persönliche Faktoren

Wichtig ist, dass du dich mit deiner Geschäftsidee identifizieren kannst und sie zu deiner Persönlichkeit passt. Du solltest zu 100% von ihr überzeugt sein, für sie brennen und mit Leidenschaft dahinterstehen. Nur auf diese Weise wirst du die notwendige Motivation und das Durchhaltevermögen aufbringen, die besonders für die erste Phase der Gründung erforderlich sind.

Weiters solltest du überlegen, in welchem Feld du besonders viel an Erfahrung und Expertise aufweist. Diese werden dir im Gründungsprozess von großem Nutzen sein.

2. Der Markt

Welches Problem existiert, das du mit deiner Geschäftsidee lösen kannst? Welches Bedürfnis kannst du befriedigen? Der wichtigste Erfolgsfaktor ist der Kundennutzen deines Angebots. Wenn kein direkter Nutzen für deine Zielgruppe besteht, ist deine Idee leider wertlos.

Wichtig sind in diesem Zusammenhang auch aktuelle Trends. Trends und veränderte Lebensumstände (Stichwort Corona) kreieren neue Bedürfnisse, für die es vielleicht noch keine Lösungen am Markt gibt. Allerdings Hände weg von Trends, die das Risiko beinhalten, nur von kurzer Dauer zu sein.

Natürlich solltest du auch das bereits bestehende Angebot genau unter die Lupe nehmen, um etwaige Marktlücken zu erkennen und Bereiche zu identifizieren, die einen Überschuss an Wettbewerbern aufweisen.

Inspiration für deine Geschäftsidee

Wenn dir einfach nichts Brauchbares einfällt, muss Inspiration her. Diese kannst du dir entweder aus dem Internet holen, indem du dir z. B. anschaust, welche Ideen andere Gründer hatten. Z. B. auf der Webseite fuer-gruender.de, die 500 erfolgreiche Geschäftsideen vorstellt. Oder aber du wendest eine der folgenden Kreativitätstechniken an:

  • Brainstorming: Das Brainstorming dient dem Finden und Sammeln von möglichst vielen innovativen Ideen. Normalerweise wird in der Gruppe gebrainstormt, wobei es einen Moderator gibt, der anfangs die Ausgangslage erklärt und die Gedanken der Teilnehmer festhält. Wichtig dabei ist, dass jeder seine Ideen frei äußern kann, ohne auf Kritik oder Bewertung zu stoßen. Auf diese Weise soll den Gedanken freier Lauf gelassen werden, so dass sich die Teilnehmer gegenseitig inspirieren.
  • Brainwriting: Beim mit dem Brainstorming verwandten Brainwriting geht es darum, seine Gedanken nicht laut auszusprechen, sondern aufzuschreiben. 4-6 Teilnehmer sitzen dabei an einem Tisch, während jeder seine Gedanken zu einem Thema auf ein Blatt Papier schreibt, bis ihm nichts mehr dazu einfällt. Dann wird das Blatt an den Nachbarn weitergereicht, der die Ideen mit seinen eigenen ergänzt. So geht das über einige Runden, bis entweder entschieden wird, dass genug Gedanken generiert wurden oder ein am Anfang festgelegter Zeitrahmen (z. B. 30 Minuten) überschritten wurde.
  • Brainwalking: Beim ähnlich verlaufenden Brainwalking werden mehrere Flipcharts oder Tafeln im Raum oder in Räumen verteilt. Die Teilnehmer wandern dabei entweder allein oder in kleinen Gruppen von Ideeninsel zu Ideeninsel und ergänzen die Gedankengänge ihrer Vorgänger. Der Vorteil der beiden letzt genannten Methoden ist, dass sich introvertierte Teilnehmer eher trauen, etwas beizusteuern, da die Ideensammlung schriftlich stattfindet und anonymer ist.
  • 6-3-5 Kreativitätstechnik: 6-3-5 steht für 6 Teilnehmer, 3 Ideen und 5 mal weiterreichen und funktioniert so: Auf einem Blatt Papier wird eine Tabelle mit 3 Spalten und 6 Zeilen aufgezeichnet. Ein Teilnehmer fängt an und schreibt 3 Ideen in die erste Zeile (pro Spalte eine). Der zweite Teilnehmer ergänzt diese 3 Ideen oder verfasst ähnliche, indem er die Zeile darunter benutzt. So geht das weiter bis jeder dran war und zum Schluss 108 Ideen entstanden sind.
  • Walt-Disney-Methode: Diese Methode beinhaltet ein Rollenspiel, das du entweder alleine oder zu dritt durchführen kannst. Dabei werden folgende drei Rollen eingenommen, um Ideen von verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten:
    1. Träumer – er ist der Visionär, der kreative Ideen hervorbringt
    2. Realist – er überprüft die Ideen des Träumers auf deren Umsetzbarkeit
    3. Kritiker – er untersucht die Ideen auf Risiken und Schwächen
  • Kuchenmethode: Bei dieser Methode werden, wie beim Backen eines Kuchens, die Zutaten (Gedanken und Ideen) zuerst zusammengetragen und strukturiert, um sie einen Tag ruhen zu lassen, bevor neue Gedanken hinzugefügt werden. Denn oft ist eine längere Pause, während der du dich mit anderen Dingen beschäftigst, hilfreich, um gute Einfälle zu haben.
  • Mindmap und Cluster: Um Ideen visuell zu strukturieren und zu ordnen, eignen sich Mindmaps und Cluster. Bei einer Mindmap werden Kategorien und Unterkategorien, die sich auf das Hauptthema beziehen, um dieses herum aufgeschrieben und mit Linien miteinander verbunden. Du kannst Mindmaps auch online kreieren, zum Beispiel mit MindMeister. Ein Cluster funktioniert ganz ähnlich, nur verwendest du Assoziationen statt Kategorien.

Falls dir trotz aller Kreativitätstechniken nichts einfällt, gibt es immer noch die Möglichkeit des Franchise oder der Nachfolge. Und bedenke: Nicht nur die Idee alleine ist entscheidend über den Erfolg deines Unternehmens, vor allem auch die Umsetzung und Ausführung sind wesentlich.

Geschäftsidee prüfen und konkretisieren

Mithilfe der folgenden Modelle kannst du die unterschiedlichen Aspekte deiner Geschäftsidee auf deren Tauglichkeit hin überprüfen und aus der Idee ein ganzes Geschäftsmodell entwickeln. Dieses bildet dann die Basis deines Businessplans.

  • Business Model Canvas (BMC): Framework für die Visualisierung und Strukturierung von Geschäftsmodellen
  • Business Model Navigator: Dieses Modell ist weniger komplex als das BMC. Es besteht aus vier Dimensionen und wird in einem “magischen Dreieck” dargestellt.

Nächstes Mal: Der Businessplan

In Teil 2 geht es um den Businessplan: Was das überhaupt ist, wozu du diesen brauchst, wie du ihn erstellst, u. v. m.

Theres Preißler
Theres Preißler
Theres Preißler
Theres hat Anthropologie studiert und ist seit ihrer Kindheit leidenschaftliche Texterin. Während sie als Mädchen Pferdegeschichten schrieb, nutzt sie ihre Kreativität und Know-How heute, um der everbill Community wertvollen Content zu bieten. Egal ob es um Tipps & Tricks bezüglich Finanzen, Gründung oder Recht geht, sie gibt ihr für Unternehmer interessantes Wissen in Form von informativen Beiträgen weiter.

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