Datenschutz 2015 – Safe Harbor und seine Auswirkungen – Interview mit Daniel Knoflicek

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Daniel Knoflicek spricht in unserem exklusiven Interview über die Auswirkungen und Konsequenzen des neuen Datenschutz-Beschlusses der Europäischen Kommission auf das Online-Marketing. So wird Safe-Harbor das Internet verändern:

Daniel Knoflicek über Datenschutz und Konsequenzen für das Online-Marketing

Wenn man von Safe Harbor liest, und damit verbunden „Datenschutz“, denkt man sofort an Facebook, aber welche Kanäle sind noch betroffen?

Trotz dem Urteil des EuGH, welches das Safe-Harbor-Abkommen für ungültig erklärt hat, wird es natürlich weiterhin Datenaustausch mit den USA geben, hier besteht kein Zweifel. Laut Niko Härtnig, einem Berliner Rechtsanwalt, ist jedoch noch nicht mal geklärt, ob eine Speicherung europäischer Nutzerdaten durch Facebook illegal ist. Abgesehen von Facebook sind natürlich auch große Unternehmen wie Skype, Salesforce, Microsoft und Google betroffen. Hier gibt es viele ungeklärte Fragen. Wie sieht es zum Beispiel mit der Synchronisation des Google Kontos mit dem Telefonbuch aus? Der Handybesitzer hat dem Datenaustausch zwar zugestimmt aber das bedeutet noch lange nicht, dass die Besitzer der dort hinterlegten Telefonnummern damit einverstanden sind.

Welche Unternehmen sind besonders betroffen? Kleine ebenso wie große Unternehmen?

Generell kann man sagen, alle Unternehmen, egal ob Einzelunternehmen oder große Konzerne, welche eine Cloud-Lösung mit Servern in den USA für Ihre Datenspeicherung nutzen, sind betroffen. Speziell globale Unternehmen, die von ihrer Konzernmutter in den USA geführt werden und dorthin laufend Daten ihrer Angestellten übermitteln, haben hier keine gültige Rechtsgrundlage mehr. Laut den bisherigen Berichten geht man von ca. 4400 Unternehmen aus, die zurzeit nach Safe Harbor gelistet sind.

Wie schnell kann sich das Safe Habor Abkommen auf eine Online-Strategie auswirken? Wann rechnen wir mit konkreten Veränderungen?

Die Auswirkungen machen sich bereits jetzt schon bemerkbar. Allein die Thematik des E-Mail-Marketings ist eine ganz Neue. Die neuen Anforderungen gelten für alle Daten, somit auch für Kundeninformationen. Sprich, sobald der Prozess des Newsletterversands bzw. die Speicherung der kundenbezogenen Daten auf amerikanischen Servern stattfindet, sollten die Datenschutzbestimmungen auf den Prüfstand gestellt werden. Bekanntestes Beispiel ist wohl Mailchimp. Hier liegen meines Wissens alle Server in den USA. Mailchimp ist einer der weltweit größten Newsletter Dienste, welcher sowohl von kleinen bis hin zu globalen Unternehmen genutzt wird. Zusammenfassend kann man sagen, sobald europäische Daten auf amerikanischen Servern liegen oder auch nur dorthin transferiert werden, ist eine Berufung auf das Safe Harbor Abkommmen nicht mehr möglich. Dies hat natürlich nicht nur auf das Email-Marketing Auswirkungen, sondern auch auf Website-Personaliserungen und vor allem das Kontaktmanagement.

Kann man weiterhin Kundendaten sammeln? Was bedeutet das z.B. für die Datenschutzerklärungen zur Verarbeitung von persönlichen Daten; müssen diese sofort umgeschrieben werden?

Neue AGBs werden folgen, in denen die Kunden klar und unmissverständlich die Weiterleitung ihrer Daten zustimmen müssen. Laut einer Statistik aus dem Jahr 2012 lesen gerade mal 14 % die AGBs immer durch. Meiner Meinung nach, wird sich das Sammeln von Kundendaten zwar schwieriger gestalten, jedoch ist Bedeutung von Datenschutz in der breiten Masse immer noch sehr gering, somit werden speziell große Unternehmen auch in Zukunft relativ leichtes Spiel beim Sammeln von Kundendaten haben. Eine positive Auswirkung wird lediglich der Speicherort sein. Ich denke,viele europäische IT Unternehmen dürfen sich über neue Kunden freuen. Laut eines Berichts im SRF (Schweizer Radio und Fernsehen) von 11. Oktober 2015 freuen sich bereits jetzt schon diverse Cloud Services aus der Schweiz über regen Kundenzuwachs.

Welche Auswirkungen zeigen sich speziell auf zielgruppenorientiertes Online Marketing. Ohne Daten, keine passende Werbung, oder?

In der Theorie sollte es drastische Auswirkungen haben auf das zielgruppenorientierte Marketing haben. Allein wenn man bedenkt, Soical Ads zu planen ohne die nötigen Benutzerdaten dahinter. In der Praxis gehe ich von keinerlei Veränderung aus. Sowohl Facebook als auch Google & Co werden Lösungen finden, um weiterhin Daten zu sammeln. Ich persönlich denke auch nicht, dass die Benutzer in naher Zukunft ein Bewusstsein für die immer wichtiger werdende Bedeutung von Datenschutz entwickeln. Es hat auch einen Grund, warum Services wie Facebook, Twitter und fast alle Dienste von Google, den Usern kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Wenn man nicht für ein Produkt bezahlt, ist man selbst das Produkt.

Über den Autor

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Dominik Stelzig
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Dominik Stelzig
Der Salzburger Dominik Stelzig lebt inzwischen in Wien, ist Buchautor sowie Werbetexter und Creative Director. Für das everbill Marketing ist ihm eines klar: Egal ob digital oder handgeschrieben – Worte machen nur Sinn, wenn Taten folgen.

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