Selbständigkeit Versicherung: Reicht die Pflichtversicherung?

Selbständigkeit versicherung

Eines der Hauptfelder von Mag. Philipp Havliks ist die Beratung und Betreuung von Selbstständigen, insbesondere von Jungunternehmern. Gerade Firmengründer sollten stets optimal für alle Eventualitäten abgesichert sein. Mag. Havlik nennt die Herausforderungen für Versicherer und die größten Gefahren für Selbständige und Gründer.

Selbständigkeit Versicherung: 6 Fragen an Mag. Havlik

  1. Welche Versicherungen sind gerade bei Selbständigen besonders beliebt?
  2. Worin liegen die größten Risiken für Selbständige?
  3. Wo die Herausforderungen für einen Versicherer?
  4. Bereits jeder fünfte Berufstätige muss aufgrund gesundheitlicher Gründe die Arbeit aufgeben. Besonders Selbständige sind betroffen. Woran denken Sie liegt das?
  5. Wie kann man sich gegen einen vorübergehenden oder bleibenden Verlust der Arbeitskraft wappnen?
  6. Was sind die Trends & Prognosen für das Versicherungswesen?

Frage 1: Welche Versicherungen sind gerade bei Selbständigen besonders beliebt?

Neben den klassischen Sparten, die sowohl für Selbstständige als auch Angestellte wichtig sind, schließen die meisten Selbstständigen Haftpflicht- und Rechtsschutzversicherungen ab. Außerdem gibt es großen Bedarf im Bereich eines mittel- oder langfristigen Einkommensausfalls aufgrund von Krankheit, Unfall oder sonstigem Kräfteverfall. Und das Thema private Vorsorge ist für Selbstständige wichtig, da gerne versucht wird, das zu besteuernde Einkommen niedrig zu halten – mit den entsprechenden Konsequenzen für die staatliche Pension.

Frage 2: Worin liegen die größten Risiken für Selbständige?

Sicherlich im Bereich der Haftung gegenüber Kunden bzw. Geschäftspartnern. Fehlerhafte Produkte, Falschberatungen oder sonstige Schäden, die ein Selbstständiger durch seine Tätigkeit verursachen kann, können Existenzen zerstören, wenn man nicht die richtigen Absicherungen hat. Ein Einzelunternehmer haftet persönlich und mit seinem eigenen Vermögen. Da hat es ein Angestellter in einem großen Betrieb natürlich einfacher.

Frage 3: Wo die Herausforderungen für einen Versicherer?

Eine sehr aktuelle Herausforderung besteht darin, passende Produkte für Jungunternehmer anzubieten. Zum Beispiel sind viele Selbstständige heutzutage im IT-Bereich tätig. Versicherungsprodukte für Internetfirmen – beispielsweise eine Vermögensschadenversicherung im Falle eines Virenbefalls oder im Falle eines Datenverlust – sind jedoch schwer zu finden. Außerdem kämpft die Branche mit einem Grundproblem: Versicherungen sind enorm wichtig, aber nicht sexy. 

Frage 4: Bereits jeder fünfte Berufstätige scheidet heutzutage aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aus dem Arbeitslebenleben aus. Betroffen sind vor allem selbständige Berufe. Woran denken Sie liegt das?

Selbstständige stehen unter größerem Leistungsdruck als der durchschnittliche Angestellte oder Beamte. Außerdem leiden sie oft auch unter dem Phänomen der Selbstausbeutung. Um die Selbstständigkeit und den Erfolg anzutreiben, arbeiten sie regelmäßig auch am Wochenende oder im Urlaub – und nehmen keine Rücksicht mehr auf die eigene Gesundheit. Dass Selbstständige durch den Druck, erfolgreich sein zu müssen oder am Ende des Monats ohne Geld dazustehen, öfter aufgrund von Krankheit oder aufgrund psychischer Erkrankungen aus dem Berufsleben ausscheiden, überrascht daher nicht.

Frage 5: Der vorübergehende oder bleibende Verlust der Arbeitskraft kann Existenzen zerstören, da mit der Arbeitskraft Ihre Einkünfte verloren gehen. Wie können sich Selbständige dagegen wappnen?

Man unterscheidet hier zwischen kurz-, mittel- und langfristigen Ausfällen der eigenen Einkommenskraft. Eine kurzfristige Verkühlung, die einen Selbstständigen drei oder vier Tage außer Gefecht setzt, ist kaum sinnvoll versicherbar.

Ab ein oder zwei Wochen Ausfall der Einkommenskraft kann es – je nach Branche – aber bereits kritisch werden. Hier greift eine so genannte Betriebsunterbrechungsversicherung, die den verloren gegangenen Deckungsbeitrag ersetzt.

Bei langfristigen Ausfällen über 6 Monaten, zum Beispiel durch einen Unfall oder aufgrund schwerer Krankheit, hilft nur mehr eine Erwerbs- oder Berufsunfähigkeitsversicherung. Diese ersetzen langfristig das Arbeitseinkommen, selbst für den Fall, dass viele Monate oder Jahre keine Rückkehr in den Job mehr möglich ist. Sowohl eine Betriebsunterbrechungsversicherung als auch eine Erwerbs- oder Berufsunfähigkeitsversicherung sollte jeder Selbstständige haben.

Frage 6: Gerade im Gesundheitswesen ist vieles in Bewegung. Wie sehen Sie die Zukunft für Versicherer, welche Trends lassen sich ablesen?

Der Trend geht eindeutig Richtung „mehr privat, weniger Staat“. Das österreichische Gesundheitswesen ist gut, aber zu teuer – und auf Dauer nicht finanzierbar. Wer kann, schließt eine private Krankenversicherung ab, um im Krankenhaus oder beim Arzt schneller und besser behandelt zu werden. Das gleiche Thema haben wir ja auch im Bereich der staatlichen Vorsorge. Es ist Tatsache, dass man sich nicht mehr auf die staatliche Unterstützung verlassen kann, weder im Bereich der Pensionen noch im Bereich der Invaliditätsabsicherung. Nur wer Eigeninitiative ergreift, wird den eigenen Lebensstandard halten können.

Über Mag. Philipp Havlik

Mag. Philipp Havlik ist seit knapp 8 Jahren als selbstständiger Versicherungsmakler tätig, seine Kanzlei heißt OPTIMAX. Als Makler ist er nicht bei einer Versicherungsgesellschaft angestellt, sondern unabhängiger Berater im Interesse seiner Kunden, ähnlich wie ein Anwalt oder Steuerberater, der für seine Klienten tätig ist. Eines seiner Hauptfelder ist die Beratung und Betreuung von Selbstständigen, insbesondere von Jungunternehmern.

Dominik Stelzig
Dominik Stelzig
Dominik Stelzig
Der Salzburger Dominik Stelzig lebt inzwischen in Wien, ist Buchautor sowie Werbetexter und Creative Director. Für das everbill Marketing ist ihm eines klar: Egal ob digital oder handgeschrieben – Worte machen nur Sinn, wenn Taten folgen.

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