Matthias Hombauer: Ein Rockstar-Fotograf über seinen Werdegang

matthias hombauer

Matthias Hombauer rockt die Fotografie. Denn vor der Linse werden Rockstars wie The Prodigy oder Metallica unverkennbar abgelichtet. Daneben hat er eine große internationale Community an Konzertfotografen aufgebaut. In unserem exklusiven Interview verrät uns Matthias, wie man Rockstar-Fotograf wird, erzählt vom Traum der Selbständigkeit und bietet Einblick in die täglichen Herausforderungen von Einzelunternehmern. Viel Spaß beim Lesen:

Matthias Hombauer redet über …

  • seinen Werdegang,
  • über die Herausforderungen einer Nischenposition,
  • die Selbständigkeit per se,
  • Inspirationsquellen
  • Firmenführung und die Herausforderungen

Wer bist du und wie bist du dahin gekommen, wo du heute bist?

Hallo und danke für das Interview. Ich heiße Matthias Hombauer und bin Rockstar-Fotograf. Alles begann vor ca. 8 Jahren, während ich an meiner Doktorarbeit als Molekularbiologe im AKH arbeitete. Ich beschäftigte mich mit der Entwicklung von körpereigenen Abwehrzellen, die uns vor Viren schützen und das vorangegangene Studium machte mir viel Spaß. Leider, oder auch zum Glück, ist dann alles anders gekommen als gedacht. Lange Arbeitszeiten inklusive Wochenende und langfristige Experimente führten dazu, dass ich daran zu Zweifeln begann, ob dieser Job wirklich das Richtige für mich ist. Ja, ich habe 9 Jahre darum gekämpft, mir einen Doktortitel zu erarbeiten, aber plötzlich war meine Zukunft ungewiss. Ich zerbrach mir zwei Jahre lange den Kopf, wie es weitergehen sollte, und entschloss schließlich, nach erfolgreicher Beendigung meines Doktorats, Konzertfotograf zu werden. Musik und Fotografie waren zwei meiner größten Leidenschaften und ich dachte, ich muss es einfach versuchen.

Heute arbeite ich direkt mit Bands wie The Prodigy, Iggy Pop, Peter Gabriel. Elvis Costello, Fink, Calexico und vielen weiteren. Ich habe über 400 Bands unter anderem The Rolling Stones, Metallica, Miley Cyrus oder Rammstein vor der Linse.

Meine Arbeiten werden in internationalen, professionellen Kameramagazinen veröffentlicht und ich publiziere in PetaPixel oder Huffington Post UK.

Im April 2016 hatte ich meine erste internationale Konzertfotografie Ausstellung “Highlights” in Buenos Aires.

Des Weiteren habe ich mein online Projekt “How To Become A Rockstar Photographer” ins Leben gerufen, das Menschen helfen soll, ihre Leidenschaft für Konzertfotografie zu finden und zu leben. Mittlerweile sind es 15 000 Zugriffe pro Monat mit einer weltweiten Leserschaft aus über 100 Ländern.

Meine online Akademie “Shooting The Rockstars” ist eine Schritt-für-Schritt Anleitung, wie man selbst zum Rockstar-Fotografen werden kann.

Du hast dich als Fotograf in eine absolute Nische gesetzt und fotografierst Musiker in Aktion. Hast du dir damit deinen Berufstraum erfüllt?

Absolut, der Schritt vom Doktor der Molekularbiologie zum Musikfotografen war der Versuch aus dem “normalen System” auszubrechen. Ein Vorhaben, das viele planen, aber schlussendlich nie in die Tat umsetzen. Ich habe mein Umfeld genau beobachtet: Seien wir ehrlich, wie viele unserer Mitmenschen “brennen” wirklich für ihre Arbeit oder sehen ihren Job als ihre Bestimmung an? Ich kann aus persönlichen Erfahrungen sagen, leider sehr wenige. Diese “arbeiten-fernsehen-schlafen gehen”-Einstellung wollte ich bewusst infrage stellen und habe mich dazu entschieden, den steinigeren Weg zu gehen.

Nach 3 Jahren Selbstständigkeit kann ich aber sagen, das war der einzige richtige Weg für mich. Ich beneide wirklich niemanden, der in seinem Job feststeckt und sich mit Durchhalteparolen à la „so ist das Leben eben“ vertröstet.

Wo hast du den Mut für dein Vorhaben hergenommen?

Jedem, der seinen Horizont erweitern und die eignen Schranken im Kopf überwinden möchte, kann ich nur “Die 4 Stunden Woche” von Tim Ferriss ans Herz legen. Nicht das Geld ist das größte Gut heutzutage, sondern die Zeit. Wir leben nur einmal, und das Leben kann in jeder Sekunde enden. Daher habe ich für mich entschlossen: Mir ist meine Zeit zu kostbar, um Dinge zu machen, die mich nicht begeistern. Ich möchte der Welt mit meinem Tun etwas zurückgeben, und das kann ich am besten, wenn ich meine eigene Träume verwirkliche – und anderen dabei helfe, das Gleiche zu tun.

Wo lässt du dich allgemein inspirieren?

Ich finde Inspiration in den Menschen, mit denn ich täglich zu tun haben. Das kann ein Telefonat sein, oder aber auch ein Hörbuch, oder ein Blogbeitrag, den ich lese. Ich habe, seit ich selbständig bin, gelernt, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und habe so viele interessante Leute kennengelernt, von denen ich viel lernen konnte.

Kommen wir nun zum Business-Teil deines Interviews – und deiner Selbständigkeit. Beschreibe dein Unternehmen mit einem Wort:

Passionate bzw. leidenschaftlich.

Was sind die Herausforderungen in deiner Sparte der Fotografie?

So weit ich bis jetzt erlebt habe, ist es mit der Fotografie ähnlich wie bei allen „kreativen“ Berufen – egal ob z.B. Grafiker, Musiker, Modedesigner usw.

Viele Menschen beginnen, mit der Selbständigkeit ihre Leidenschaft zu leben – was mich natürlich sehr freut – die Herangehensweise an dieses Vorhaben ist allerdings oft sehr unterschiedlich gemanaged, worin eben auch die Herausforderungen liegen:
Nehmen wir zum Beispiel Hochzeitsfotografie – ein Thema, mit dem sich jeder Heiratende schon einmal beschäftigen musste. Als Brautpaar, das gerade die Feierlichkeiten plant, wird man sich nach einem Hochzeitsfotografen umsehen und meist vor eine schwierige Auswahl gestellt: Es gibt Hobbyfotografen, die mit 200 Euro für den ganzen Tag zufrieden sind (da sie noch einen Hauptberuf haben) und es gibt professionelle Fotografen, also solche, die davon leben müssen, die sich im Bereich 2000-4000 Euro angesiedelt haben.

Man erkennt schon die Herausforderung: Stichwort Pricing bzw. Preisbildung!
Kunden, die nicht viel Budget für eine Hochzeit haben, werden eher den günstigen um 200 Euro buchen. Ein Preis, bei dem ein Berufsfotograf nicht mithalten kann. Das führt dazu, dass auch immer mehr Firmen dazu tendieren, günstige(re) Amateurfotografen zu buchen. Die Qualität steht nicht mehr im Mittelpunkt, sondern kostengünstig muss es sein. Meiner Meinung nach, werden die Berufssparten der Fotografie mit diesem Preisdumping und der dazugehörigen Inkaufnahme des Qualitätsverlusts regelrecht zerstört.

Bringen wir das Problem auf den Punkt:

Die meisten Kreativen sind keine Business-Menschen. Viele fürchten sich davor, Kunden ihren Preis zu nennen und zu feilschen. Sie haben Angst, den Auftrag zu verlieren, wenn sie für ihren Preis eintreten.
Hier sehe ich noch sehr viel Aufholbedarf. Wenn man diese Sparten auf Dauer professionell ausführen möchte, dann muss es ein Umdenken geben, damit auch Hobbyfotografen, ihre Arbeit mehr zu schätzen wissen, und diese nicht zu einem Spottpreis verkaufen.

Wie funktioniert Sales / Marketing bei dir als selbständiger Fotograf?

Wenn man heutzutage Fotograf werden möchte, reicht es nicht mehr, nur schöne Fotos zu machen. Kameras können mittlerweile von jedem erstanden werden und Fotografie ist zu einem äußerst beliebten Hobby geworden. Als Konzertfotograf kommt noch dazu, dass das eine verhältnismäßig geringe Anzahl bekannter Bands im Vergleich zu Fotografen gibt. Manche berühmte Bands bekommen täglich hunderte Emails von Fotografen. Der Konkurrenzkampf ist enorm.

Daher ist es meiner Meinung nach besonders wichtig, neben seinem eigentlichen Tun das Networken und Selbst-Marketing zu beherrschen. Ich selbst bin sehr aktiv in den sozialen Medien wie Facebook und Instagram. Weiters habe ich mir in den letzten 2 Jahren einen internationalen Namen als Konzertfotograf aufgebaut und werde oft in einem Atemzug mit den bekanntesten Musikfotografen weltweit genannt. Als ich in Buenos Aires meine Ausstellung eröffnet habe, sind Menschen auf mich zugekommen und wollten gemeinsam ein Foto mit mir machen. Sie kamen auf mich zu und meinten, ich habe ihnen geholfen, ihre Leidenschaft zu finden. Das war dann schon ein wenig verrückt.

Beim Netzwerken weiß man nie, wen man kennenlernt. Jeder Kontakt kann ein wirklich wichtiger werden. Ich habe z.B. die Jungs von Vintage Trouble, einer Band aus LA, Backstage bei einem Konzert in Kanada kennengelernt, als ich Shantel auf seiner Welttournee begleitete. Ein Jahr später waren sie Support Act von AC/DC in Zeltweg und ich auf der Bühne vor 120 000 Fans. Das wäre nie zustande gekommen, wenn ich nicht einfach das Gespräch begonnen hätte.

Jetzt hast du vom Netzwerken und sozusagen deiner Art der Kunden-Akquise erzählt. Wie aber hältst du die Kunden?

Meine Kunden sind – natürlich neben den Bands, die ich fotografiere, meine User und Follower. Diese sind meist Studenten und Inspirationssuchende und für mich das Wichtigste in meinem Alltag. Ich versuche, sie täglich auf dem Laufenden zu halten. Stehe stets für Fragen zur Stelle und bin mir auch nicht zu schade, direkten Kontakt zu suchen. Die gegenseitige Leidenschaft für mein Projekt und die Fotografie an sich bildet in meinem Unternehmeralltag das Fundament der Kundenbeziehung. Ohne diese gemeinsame Leidenschaft würde alles nicht funktionieren.

Wenn du eine Sache an der Selbständigkeit ändern könntest, was wäre dies?

Für mich fühlt sich mein Job nach 2 Jahren noch immer nicht nach “Arbeit” an. Im Gegenteil – ich freue mich jeden Tag, wenn ich wieder an meinen Projekten arbeiten darf. Ich denke, die Situation in Österreich für EPU gehört radikal geändert, sonst wandern eben die besten Köpfe aus (was ja auch schon lange passiert). Traurig ist halt, dass in Österreich „kleinkariert“ gedacht wird und der Weitblick fehlt. Auch mit ein Grund, warum ich mein Projekt international angelegt habe und der Großteil meiner Kunden aus dem amerikanischen Raum ist.

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Dominik Stelzig
Dominik Stelzig
Dominik Stelzig
Der Salzburger Dominik Stelzig lebt inzwischen in Wien, ist Buchautor sowie Werbetexter und Creative Director. Für das everbill Marketing ist ihm eines klar: Egal ob digital oder handgeschrieben – Worte machen nur Sinn, wenn Taten folgen.

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